Kalkkögel - Emotionale Herzensangelegenheit
Grandiose Ausblicke boten sich mir kürzlich von der Schlicker Seespitze. Ein wunderbarer Sommertag, schon leicht herbstlich angehaucht. Nicht nur mein Partner und ich genossen die Ruhe und Schönheit der Kalkkögel, nein, auch „Einheimische“ vom Tiroler Unterland und Touristen, die sich bei ihren Wanderungen auf das Seejöchl ein Bild dieses imposanten Gebirgsstockes machten. Alle waren sich einig, dass diese einmalige und so kontrastreiche Gebirgslandschaft einzigartig in Tirol ist.


Einig sind sich auch der Vorstand des Alpenverein Innsbruck und zigtausend Mitglieder, dass das Massiv der Kalkkögel in seiner Ursprünglichkeit nicht angetastet werden darf. In der letzten Ausgabe von „Innsbruck Alpin“ erschien ein Artikel von Otti Wiedmann, der ausschließlich von der alpinen Erschließungsgeschichte der Kalkögel handeln sollte, also den zahlreichen Erstbesteigungen, die in teils abenteuerlichen und unvorstellbaren Aktionen von alpinen Größen wie Buhl, Aukenthaler, Schmiedhuber, Rebitsch, Orgler, selbst Wiedmann u.v.a. durchgeführt wurden. Leider floss darin auch die persönliche Meinung des Autors ein, der sich eindeutig als Befürworter der Erschließung der Kalkkögel deklarierte. Er hat damit in völliger Unkenntnis von Naturschutz, Naturschutzrecht, Ruhegebiet und Alpenkonvention die bisherigen Aktivitäten des Alpenverein Innsbruck hinsichtlich Brückenschlag untergraben.


Wie vielen und wie sehr das Ruhegebiet Kalkkögel am Herzen liegt, haben wir an zahlreichen, sehr emotionalen Zuschriften aufgrund des Artikels gesehen und wir möchten den Aussagen von Otti Wiedmann vehement widersprechen. Nach wie vor steht der Alpenverein Innsbruck ganz klar hinter seinem Beschluss vom 10. Mai 2010, in dem er sich mit aller Deutlichkeit gegen die Erschließung des Ruhegebietes Kalkkögel ausgesprochen hat. 

Gerade in Tirol gibt es schon genug Gebiete, die mit Seilbahnen bis in die höchsten Gipfelregionen erschlossen sind und Halbschuhtouristen hautnahe Berührungspunkte bieten. Nicht jeder Gebirgsstock muss deshalb mit technischen Erschließungen zum „Funpark“ umfunktioniert werden. Es braucht auch unerschlossene Räume als Gegenpol zu den intensiv erschlossenen Gebieten! Die Kalkkögel, vor den Toren Innsbrucks, müssen in ihrer Ursprünglichkeit und Schönheit auch nachkommenden Generation erhalten bleiben.

Birgitta Schauer
Naturschutzreferentin
Alpenverein Innsbruck

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