Vernichtendes Gutachten für Hotelprojekt Obernberger See

Das bizarre Hotelprojekt „Natur Refugia Obernbergersee“ scheint auch nach 6 Jahren kein Ende zu nehmen, denn in den letzten zwei Monaten, nach Erscheinen meines Artikels (Seite 46) im Innsbruck Alpin (3-2016), haben sich die Ereignisse regelrecht überschlagen. Obwohl sich zuletzt auch noch der unabhängige Gestaltungsbeirat, welcher sich städtebaulichen, landschaftsgestalterischen und architektonischen Fragen auseinandersetzt, sehr kritisch zu den Plänen des Hotelprojektes äußerte, sickerte durch, dass die Bezirkshauptmannschaft Innsbruck-Land neuerlich an einem positiven Bescheid bastelt. Selbst der 3-fache Schutz mit dem Landschaftsschutzgebiet „Nößlachjoch – Obernberger See – Tribulaune“ (seit 1984), dem Naturdenkmal „Obernberger See“ (seit 1935) und dem bestehenden Seenschutzbereich, schien keine Hürde für eine Ablehnung zu sein. Zu einer Bescheiderlassung kam es dann vorerst doch nicht, denn die zuständige Naturschutzlandesrätin stoppte die mögliche Genehmigung.

Auch wenn damit vielleicht etwas Zeit gewonnen wurde, kam diese Reaktion viel zu spät. Bereits im Jahre 2013, als eine große Abordnung von Gemeindebürgern aus dem Obernbergtal und VertreterInnen von NGO’s im Landhaus vorsprachen und diese Hotelpläne kritisierten, hätte die zuständige Landesrätin die Reißleine für diese Hotelpläne ziehen müssen. Dass dies erst jetzt geschah, handelte ihr auch massive Kritik und von den Projekt-Betreibern hinsichtlich Amtsmissbrauch eine Anzeige bei der Staatsanwaltschaft ein. Der Ausgang ist offen.

Wann kehrt endlich Vernunft ein?
Das Juwel Obernberger See und seine grandiose umgebende Naturkulisse verlangen einen besonders sensiblen Umgang und einen dem Landschaftsbild angepassten Gastbetrieb. Vielmehr sollte die faszinierende Bergnatur die Hauptrolle spielen und ein architektonisch schlichter Gasthof in den Hintergrund rücken.

Ein Hotel mit einem 11 m hohen Turm, eingebauten Wohntanks und eine 110 m lange Terrassierung mit Drahtschotterkörben haben hier jedenfalls nichts verloren. Doch Schlichtheit und Zurückhaltung scheinen in zahlreichen (Tourismus-) Gemeinden und Regionen Tirols ohnehin ein Fremdwort zu sein, betrachtet man die zumeist klotzende und in ihrem Erscheinungsbild völlig unterschiedliche Architektur.

Dass auch die Tiroler Wirtschaftskammer unsensibel in die Bresche für die Betreiber springt und das geplante Hotel am Obernberger See als visionär und Vorzeigebeispiel in ihrer Zeitung „Tiroler Wirtschaft“ vom 22. Juni 2016 tituliert und harsche Kritik dahingehend übt, dass dieses aus ihrer Sicht ökologisch-nachhaltige Projekt nicht genehmigt wird und daher keine Planungssicherheit bei Projekten besteht, zeigt das fehlende Sensorium für Naturschutz, Landschaftsbild und -ästhetik. Sie vergisst dabei (bewusst) zu erwähnen, dass es die Betreiber sind, die trotz bestehender (rechtlicher) Problematik und den sich jahrelang hinziehenden und holprigen Genehmigungsverfahren nach wie vor stur an diesem Hotelprojekt festhalten.

Wäre der Wille der Betreiber für ein an die Landschaft angepasstes Alpengasthaus mit Sommer- und Winterbetrieb vorhanden, könnte dieses schon seit gut 6 Jahren die Menschen erfreuen. Doch eine derartig einseitige Sichtweise und Argumentation ist man ohnehin von der Tiroler Wirtschaftskammer seit Jahren gewohnt.

Gutachten widmet sich dem Landschaftsbild
Leider wurde in den vergangenen 6 Jahren darauf vergessen auch das grandiose Landschaftsbild, welches durchaus an die kanadische Wildnis erinnert, in das Hotelprojekt einzubeziehen. Dann wäre wohl bald klar gewesen, dass eine Genehmigung nicht möglich ist und die Diskussion hätte bereits frühzeitig einen neuen
konstruktiven Planungsweg eingeschlagen. Im letzten Abdruck wurde  nun von der Bezirkshauptmannschaft Innsbruck-Land ein derartiges Gutachten zur Bewertung des Landschaftsbildes in Auftrag gegeben und dieses ist für das Hotelprojekt auf über 70 Seiten vernichtend (Das Gutachten können Sie sich unter www.cipra.at herunterladen). U.a. schreibt darin der nichtamtliche Sachverständige (Atelier Gstrein/Innsbruck): „Die Auswirkungen des Vorhabens
bedingen gravierende qualitativ und quantitativ nachteilige Beeinflussungen des Schutzgutes, so dass dieses dadurch in seinem Bestand gefährdet ist. Das Projekt ist fachspezifisch (umwelt)unverträglich“. Zudem gibt es laut Gutachter kaum eine Möglichkeit, „ein Landschaftsbild mit einem noch höheren Schutzgut zu versehen“. Jetzt ist die Behörde am Zug und nach einer neuerlichen Anhörung der Parteien wird es wohl in Kürze zu einer Entscheidung kommen. Eine eigenartige Rolle nimmt bis dato die Gemeindepolitik in Obernberg ein, die sich bis heute zu keiner klaren Meinungsäu­ßerung durchringen konnte. Diese Haltung ist mehr als unverständlich, denn wie oft wird in den Gemeinden eine Fremdbestimmung von außen kritisiert. Die verantwortlichen Gemeindepolitiker in Obernberg hätten jedenfalls genügend vorliegende Argumente, um ihre gewichtige Stimme zu erheben und sich für die Realisierung eines Alpengasthofes auszusprechen.

BürgerInnen schliessen sich zusammen
Für die kürzlich gebildete und unabhängig agierende Interessengemeinschaft „Naturjuwel Obernberger See“, bestehend aus 3 Konrad-Lorenz-Staatspreisträgern sowie Bauern, Gemeinderäten und Touristikern aus dem Obernbergtal, muss diese Pattstellung beendet werden. Alle rechtlichen Fakten, ein vernichtendes Gutachten zum Hotelprojekt hinsichtlich Landschaftsbild und die kritische Haltung des Gestaltungsbeirates liegen auf dem Tisch. Sollte die Bezirkshauptmannschaft Innsbruck-Land dennoch zu einem positiven Bescheid kommen und das geplante Hotel mit Wohntanks auf über 3.000 m² genehmigen, kann man von einem Skandal sprechen. Die Bezirkshauptmannschaft Innsbruck-Land müsste sich dann wohl den Vorwurf gefallen lassen, eine Entscheidung fernab von fachlichen Grundlagen getroffen zu haben. Deshalb gilt es gerade jetzt das öffentliche Interesse für den Erhalt dieses Schutzgutes mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln in den Vordergrund zu stellen, um damit den Weg für ein gemütliches, authentisches und schlichtes Alpengasthaus für Wanderer, Bergsteiger, Schitourengeher und Schneeschuhwanderer sommers wie winters zu ebnen.

Unterschriftenaktion – bitte helfen Sie mit Um das Ziel eines landschaftsangepassten Alpengasthofes zu erreichen und damit den Naturschutz rund um den Obernberger See zu erhalten, hat die Interessengemeinschaft „Naturjuwel Obernberger See“ eine Unterschriftenaktion ins Leben gerufen. Bitte unterstützen Sie mit Ihrer Unterschrift die Interessengemeinschaft, denn das Obernbergtal braucht eine bodenständige Einkehrmöglichkeit für alle Bürgerinnen und Bürger. Die Unterschriftenlisten liegen im Alpenverein Innsbruck, Meinhardstraße 7-11, 6020 Innsbruck auf.

Sie können sich die Unterschriftenliste hier herunterladen